Die Ausbildung zum Arzt verlangt nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch praktische Fähigkeiten. Vor allem bei der Arbeit direkt am Patienten beschleunigen dabei VR-Technologien die Lernprozesse, um Behandlungsmethoden zu verinnerlichen und Handlungsabläufe einzuüben.

Herausforderung: Haptisches Lernen im virtuellen Raum

Lernen im virtuellen Raum verbindet die Vermittlung von theoretischem Wissen mit der Einübung praktischer Handgriffe und Arbeitsabläufe. Es ist ein haptisches Verfahren, das alle Sinne anspricht und dem Studenten eine vollständige Arbeitsumgebung zur Verfügung stellt, die nicht real ist.

Bei der Ausbildung von Ärzten bietet virtuelles Lernen ideale Möglichkeiten, um standardisierte Verfahrensabläufe einzuüben, ohne dass dafür der angehende Arzt im direkten Kontakt mit dem Patienten stehen muss. Das trägt nicht nur zu einer beschleunigten Ausbildung bei. Es bietet auch Kliniken völlig neue Möglichkeiten zur Einübung normgerechter Arbeitsabläufe.

Lösung: Mit dem Headset direkt in das Berufsumfeld

Schon die Bachelor-Arbeit von Nick Wiese befasste sich mit Video-Vorlesungen und der 360°-Darstellung von Räumen über ein VR-Headset. Ein Thema, das schnell zu der Überlegung führte, dass man diese Technologie doch ideal zur Ausbildung im medizinischen Bereich einsetzen könne. Schnell entstanden Kontakte zum Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf, das sich für diese Idee aufgeschlossen zeigte.

In enger Zusammenarbeit mit dem Klinikum entstand VIREED MED. Dabei handelt es sich um eine Lernplattform, die zum Beispiel virtuelle Patientenzimmer visualisiert, in denen sich der Arzt bewegen kann, um sich in Theorie und Praxis mit einer bestimmten Behandlungsmethode vertraut zu machen. Im Mittelpunkt steht dabei die Einübung international anerkannter Prozesse. Dafür werden reale Situationen simuliert und der Arzt muss genau die Handgriffe vornehmen, die auch in der Realität erforderlich wären. Dabei sind sogar Szenarien mit mehreren Personen im Raum möglich, die unmittelbar miteinander kommunizieren und gemeinsame Aufgaben wahrnehmen können.

Um die Einstiegshürde für den Anwender zu gering wie möglich zu halten, kommt vor Ort ein VR-Headset zum Einsatz. Er wird an einen PC angeschlossen, das wiederum mit dem Server von VIREED kommuniziert. Die virtuellen Räume und Lerneinheiten werden also aus einer Cloud-Plattform bezogen und über das Headset visualisiert.

Die kreativen Köpfe hinter der Lösung sind Nick Wiese (CEO) und Arne Urff (Entwicklung). Beide gründeten 2017 die VIREED UG, wobei der Firmenname für Virtual Reality Education steht. VIREED ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Unternehmensgründung im Hamburger Umfeld, das besonders Startups im medizinischen Bereich optimale Voraussetzungen bietet.

Die derzeit 5 Mitarbeiter von VIREED arbeiten im Philips Health Innovation Port Hamburg, wo sie von zahlreichen Events und dem fruchtbaren Austausch mit anderen Startups im medizinischen Bereich profitieren.

Potenzial: Große Zukunft in einem noch jungen Markt

Die Virtual Reality-Lernplattform VIREED MED wurde speziell für den medizinischen Bereich entwickelt. Sie beruht auf Technologien, für die es bisher nur wenige Standards gibt, sodass viele Funktionen von Grund auf neu entwickelt werden müssen.

Die Entwicklung einer ersten Lernumgebung soll Ende 2018 abgeschlossen sein. Für Anfang 2019 ist eine umfassende Studie mit 400 Studenten des ersten Semesters am Hamburger Universitätsklinikum geplant. Bis dahin sollen auch die ersten zwei Lernszenarien fertiggestellt sein.

Die Freischaltung der ersten Beta-Version ist für 2020 vorgesehen. Bis dahin soll auch ein breites Angebot unterschiedlicher Lernszenarien bereitstehen und unterschiedlichen Fakultäten angeboten werden.

Den allgemeinen Einsatz durch Medizinstudenten sieht VIREED spätestens dann, wenn eine neue Generation an VR-Headsets zur Verfügung steht, die über eigene Rechenkapazität verfügen und damit die direkte Nutzung der Plattform ohne zwischengeschalteten PC erlauben.

VIREED
in Numbers

2
Gründer hatten eine Idee
5
Mitarbeiter arbeiten daran
400
Studenten beim ersten praktischen Einsatz
80.000
Medizinstudenten in Deutschland als eine der Zielgruppen

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