Nach Schätzungen von Experten leiden derzeit etwa 5 bis 8 Prozent der weltweiten Bevölkerung an 80 bis 100 verschiedenen Autoimmunerkrankungen. Die chronisch entzündlichen Erkrankungen bilden nach Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen die dritthäufigste Erkrankungsgruppe.

Herausforderung: Das Immunsystem greift körpereigene Zellen an

Im intakten Zustand schützt das Immunsystem den Menschen vor Viren, Bakterien, Parasiten oder sonstige Fremdstoffen. Bei einer Autoimmunerkrankung hingegen kann das System nicht mehr zwischen „fremd“ und „selbst“ (auto) unterscheiden und greift in der Folge gesundes, körpereigenes Gewebe an. Eine unbehandelte Autoimmunerkrankung kann durch schwere Entzündungsreaktionen zur Schädigung des betroffenen Organs und im Extremfall zum Tod führen. Bislang können die Symptome mit modernen Arzneimitteln gelindert, nicht jedoch geheilt werden.

Lösung: Nanopartikelbasierte Therapie

Eine neuartige Nanopartikeltechnologie der Topas Therapeutics GmbH könnte die Behandlung von Autoimmunerkrankungen revolutionieren. Durch den Einsatz von Nanopartikeln, die mit körpereigenen Eiweißen beladen sind, soll das Immunsystem von Menschen mit Autoimmunerkrankungen körpereigene Zellen nicht mehr angreifen, sondern tolerieren. Das Besondere daran ist, dass nicht wie in gängigen Verfahren jede Immunreaktion unterdrückt wird, sondern eine Toleranz des Immunsystems gegenüber der fälschlicherweise als körperfremd identifizierten Zellen induziert wird.

Entwickelt wurde die nanopartikelbasierte Therapie maßgeblich von Professor Johannes Herkel und Kollegen aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), unter Mitarbeit kooperierender Institute wie dem Hamburger Heinrich-Pette-Institut (HPI) oder dem Centrum für Angewandte Nanotechnologie (CAN), gemeinsam mit dem Biotech-Unternehmen Topas Therapeutics, einem Spin-off der Evotec AG. Die Forschungsergebnisse waren 2016 so überzeugend, dass eine Gruppe internationaler Kapitalgeber – darunter Evotec, Epidarex Capital, EMBL Ventures und Gimv – 14 Millionen Euro Wagniskapital für die weitere Firmenfinanzierung zur Verfügung stellte. Diese Mittel erlauben Topas Therapeutics die Weiterentwicklung verschiedener Programme im Bereich der Autoimmunkrankheiten.

Potential: Behandlung von Multipler Sklerose

Für 2018 ist ein erstes eigenes klinisches Entwicklungsprogramm zur Behandlung von Multipler Sklerose geplant. Vorstellbar ist, dass die neuartige Nanopartikeltechnologie künftig nicht nur für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen, sondern auch bei Allergien und Unverträglichkeiten oder Immunreaktionen gegen Biopharmazeutika eingesetzt werden kann.

Hamburg bietet dank der großen Dichte wissenschaftlicher Einrichtungen und Institute ideale Voraussetzungen zur Entwicklung innovativer Ansätze in der Medizin. Da in die Erforschung der nanopartikelbasierten Therapie auch Fördermittel des Bundesforschungsministeriums (BMBF) eingeflossen sind, ist Topas ein ideales Beispiel für die erfolgreiche Kooperation von Wissenschaft, Wirtschaft und Staat.

Topas Therapeutics
in Numbers

14 Mio.
Euro Series A funding

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