Auch im Schiffbau würden moderne Leichtbau-Konstruktionen Nutzlasten erhöhen und Ressourcen sparen. Ein Gemeinschaftsprojekt nutzt neue Technologien zur Lösungsfindung.

Herausforderung: Neue Materialien für deutlich mehr Effizienz

Während im Fahrzeugbau zunehmend Leichtbau-Materialien eingesetzt werden, steht Schiffbau noch immer für Stahlbau. Das trifft zumindest auf kommerzielle Schiffe und Kreuzfahrtschiffe zu. Gleichzeitig ist gerade der Schiffsverkehr mit einem hohen Ressourcenverbrauch verbunden und würde von modernen Leichtbau-Technologien besonders profitieren.

Die Entwicklung moderner Leichtbau-Technologien für maritime Anwendungen hat zwar in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Dennoch wurde das mögliche Potenzial noch nicht annähernd erreicht. Gründe dafür sind vor allem die langwierigen Zulassungsverfahren der internationalen Klassifizierungsgesellschaften. Aber auch fehlende Regelwerke, an denen sich Konstrukteure orientieren können sind ein Hemmnis.

Lösung: Einfachere Zulassung durch Standardisierung

RAMSSES – Realisation and Demonstration of Advanced Material Solutions for Sustainable and Efficient Ships – ist ein von der EU gefördertes Projekt, bei dem es um die Anerkennung und den verstärkten Einsatz fortschrittlicher Materialien in der europäischen maritimen Industrie geht. Das Projekt wurde 2017 gestartet und soll bis 2021 abgeschlossen sein.

Im Mittelpunkt stehen dabei 13 sogenannte Demonstratoren, mit denen die marktgerechte Anwendung innovativer Materialien im Schiffbau demonstriert werden soll. Das Hamburger Center for Maritime Technologies (CMT) übernimmt dabei vor allem das technische Projektmanagement und hat eine aktive Rolle bei der Entwicklung und Erprobung der Demonstratoren.

Außerdem steht das CMT im direkten Dialog mit maritimen Klassifizierungsgesellschaften und erarbeitet Vorschläge zu einer deutlichen Vereinfachung der Zulassungsverfahren, die momentan vor allem auf dem Einsatz von Stahlbau-Techniken beruhen. Im Mittelpunkt steht dabei die Sammlung relevanter Daten und die Etablierung standardisierter Testverfahren für den Einsatz alternativer Baumaterialien im maritimen Bereich.

Potenzial: Gezielter Leichtbau in Stahl und Kunststoff

Die im Rahmen von RAMSSES entwickelten Demonstratoren decken ein breites Feld ab und zeigen, welche innovativen Lösungen den Schiffbau von morgen auszeichnen können.

In einem Teil des Projekts geht es zum Beispiel um modulare Leichtbau-Komponenten, die hochbelastbare Innenwände und Aufbauten aus Leichtbau-Materialien ermöglichen. Beispiele dafür sind standardisierte Decksysteme für RoRo-Schiffe und modulare Kabinen für Kreuzfahrtschiffe. Andere Projektteilnehmer befassen sich mit der Produktion von Propellerblättern mithilfe additiver Herstellungsverfahren (3D-Duck), mit Leichtbau-Ruderflossen und -Rumpfsektionen.

Es geht aber auch um den gezielten Einsatz von Verbundmaterialien, wie zum Beispiel die Kombination aus Aluminium mit nicht-metallischen Werkstoffen.

Darüber hinaus befasst sich RAMSSES mit geeigneten Produktions- und Montageprozessen und der Beurteilung der technischen Leistung, Kosteneffizienz, und Umweltbelastung der erarbeiteten Lösungen. Die einzelnen Demonstratoren werden unter praxisnahen Bedingungen hergestellt und an Land oder an Bord erprobt.

RAMSSES
in Numbers

90.000
Schiffe auf den Weltmeeren
90 %
des weltweiten Warenverkehrs
2,6 %
der weltweiten CO2-Emissionen

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