In der Schifffahrt werden noch heute Logbücher aufgeschlagen, um eine Fahrt mit dem Kugelschreiber zu dokumentieren. Und es gibt zahlreiche Borddokumente, an denen das Digitalzeitalter bisher spurlos vorübergegangen ist. Ein kleines Startup in Hamburg will das ändern.

Herausforderung: Digitale Aufzeichnungen statt Dokumente auf Papier

In der maritimen Logistik läuft heute noch vieles so, wie es immer war. Der Kapitän führt ein Logbuch und dokumentiert die gesamte Fahrt von Hand. Und das in einer Zeit, in der längst per GPS navigiert wird und alle geografischen Daten digital vorliegen.

Daneben gibt es durchschnittlich 10 Bordbücher pro Schiff, die manuell erfasst und aktualisiert werden wollen. So dokumentieren zum Beispiel Deckpläne detailliert alle Merkmale des Schiffes, im Oil Record werden alle Verbräuche notiert und auch Gefahrenstoffe an Bord müssen penibel festgehalten werden. Viele Daten werden dafür von Hand übertragen, was natürlich Übertragungsfehler nie ausschließt.

Lösung: Digitale Prozesse anstelle von manuellen Aufzeichnungen

Otto Klemke arbeitet nach einem einfachen Prinzip und das heißt zuhören, lernen, besser machen. Klemke studierte Medieninformatik an der Fachhochschule Wedel und machte sich schnell als Consultant einen Namen, der erst einmal in ein Thema einsteigt, um dann von innen heraus etablierte Unternehmensprozesse zu digitalisieren.

Bei Kontakten mit Reedern, und Dienstleistern im Bereich der maritimen Logistik erkannte Klemke schnell, dass man auf dem Schiff noch weit von jeder Digitalisierung entfernt ist. Diese Erkenntnisse führten 2018 zur Gründung von NautilusLog. Das Unternehmen gehörte zu den Ersten, die in Teil des neuen Hamburger Digital Hub Logistics wurden.

Da ist zum Beispiel das gute alte Logbuch. Hier werden Informationen von Hand eingetragen, obwohl sie von der Satelliten-Navigation an Bord ohnehin geliefert werden. NautilusLog braucht dafür nicht mehr als eine App, die sich die benötigten Geodaten vom Navigationssystem holt und das Logbuch automatisch erstellt.

Bei den Bordbüchern, die ein Schiff mitführen muss, steht ein anderer Aspekt im Mittelpunkt. Hier bewirkt  Digitalisierung, dass Angaben nicht mehrmals erfasst werden müssen. Lernfähige Formulare werden am Smartphone ausgefüllt und geben dabei ohnehin vorhandene Daten automatisch vor. Regelmäßige Audits sind schneller erledigt und die erforderlichen Gutachten lassen sich erstellen, ohne dass jedes Mal alles neu erfasst werden muss.

Im März 2018 erhielt NautilusLog vom Bundesamt für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) eine Projektförderung, mit der die Weiterentwicklung des Systems gesichert werden konnte. Eine zusätzliche Projektförderung gab es von der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB).

Im Mai 2018 erhielt das Unternehmen den Hamburger Innovations Award, den Pitch Blue Award vomn Verband Deutscher Reeder, sowiue den Digital Logistics Award. Außerdem befindet es sich im Finale des Reeperbahn Festivals 2019 und nimmt am 3. BMWI Startup-Pitch teil.

Potenzial: Engere Verknüpfung zwischen Schiff, Reederei und Zertifizierung

Die Software zur Digitalisierung nautischer Prozesse hat NautilusLog bereits entwickelt. Momentan geht es um die Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die sich momentan ausschließlich auf Papierdokumente beziehen. Danach steht der digitalen On-Board-Dokumentation nichts mehr im Weg.

Ziel von NautilusLog ist die direkte Verknüpfung zwischen den an Bord erzeugten Daten mit der Reederei. Auch sollen gezielte Dienstleistungen entstehen, die sowohl den Zertifizierungsstellen als auch Behörden und Reedern einen konkreten Mehr wert bieten.

NautilusLog
in Numbers

78.000
Schiffe weltweit
1
Smartphone-App
18
digitalisierte Logbücher
35
verschiedene Anwendungen

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