Ein Kreuzfahrtschiff hat den Energiebedarf einer Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern, der von eigenen Dieselaggregaten erzeugt wird. Auch während der Liegezeit im Hafen ist das mit erheblichen Emissionen verbunden. Doch es gibt eine Lösung aus Hamburg, die die Welt aufhorchen lässt.

Herausforderung: Weniger Emissionen unter wirtschaftlichen Bedingungen

Ein Kreuzfahrtschiff erzeugt auch im Hafen seine Energie selbst und belastet damit die Umwelt. Allein in Hamburg entstehen gut ein Drittel aller gemessenen Stickoxide im Hafen und die 160 Kreuzfahrtschiffe pro Jahr haben daran einen erheblichen Anteil.

Doch ein Schiff mit einem Energiebedarf von mindestens 5 MW/h kann man nicht einfach an das öffentliche Stromnetz anschließen. Das würde Investitionen in mindestens zweistelliger Millionenhöhe erfordern – zur Bereitstellung der benötigten Energiemenge, zur Umwandlung der Netzfrequenz und zum Aufbau der Sicherheitstechnik.

Ideal wäre eine Energieversorgung, die dafür sorgt, dass Kreuzfahrtschiffe zumindest im Hafen ihre Dieselaggregate abschalten können. Sie müsste nicht nur deutlich umweltfreundlicher sein als die Verbrennung schmutzigen Schiffsdiesels. Sie müsste auch die erforderliche Versorgungssicherheit bieten und wirtschaftlich Sinn machen.

Lösung: Flüssiges Erdgas statt Schiffsdiesel

HPE Hybrid Port Energy ist ein Tochterunternehmen von Becker Marine Systems und wurde gegründet, um Lösungen für eine umweltfreundlichere Energieerzeugung im Hafenbereich zu bieten. Das erste Produkt des Unternehmens ist die LNG Hybrid Barge. Der antriebslose Schiffskörper wurde 2014 getauft und versorgt seit 2015 die AIDAsol während ihrer Liegezeiten im Hamburger Hafen mit saubererer Energie. Die Barge misst 76×11 m und ist mit fünf Caterpillar Gasaggregaten ausgestattet. Sie liefern eine Gesamtleistung von 7,5 MW/h und sind damit auch dem Energiebedarf größerer Kreuzfahrtschiffe gewachsen.

Energieträger ist flüssiges Erdgas (LNG), das in zwei 15 Tonnen fassenden Container-Tanks auf der Barge gelagert wird. Im Vergleich zu den relativ geräuschintensiven Dieselaggregaten eines Kreuzfahrtschiffes arbeitet die Barge nahezu geräuschlos. Die CO2-Emissionen liegen 20 % unter den Aggregaten an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Beim NOx sind es 80 %. Emissionen in Form von Schwefel und Ruß entfallen bei der Verbrennung von LNG sogar vollständig.

Ein weiterer Vorteil der LNG Hybrid Barge ist ihre Mobilität. Im Sommer ist ihr Liegeplatz beim Kreuzfahrtterminal (CC1) in der Hamburger Hafencity, wo die AIDAsol anlegt. Im Winter dient sie als mobiles Blockheizkraftwerk und versorgt einen der Hamburger Containerhäfen mit Wärme und elektrischer Energie.

Ein kritischer Punkt ist die Wirtschaftlichkeit. Bei der Energieerzeugung über bordeigene Dieselaggregate entstehen Kosten von maximal 3 Cent pro kW/h. Bei Strom aus dem öffentlichen Netz müssten nicht nur erhebliche Investitionen refinanziert werden. Es fallen auch Netzentgelte und die gesamte Last an Steuern und Umlagen an. Damit ist ein wirtschaftlicher Betrieb nicht darstellbar.

Da die LNG Hybrid Barge nicht als Energieversorger gilt, entfallen all diese Belastungen. Die Barge verkauft keinen Strom per kW/h, sondern wird einfach für die Liegezeit des Kreuzfahrtschiffes gechartert. Die Gesamtkosten liegen etwas höher als bei bordeigenem Strom. Speziell im Kreuzfahrtbereich besteht jedoch Bereitschaft im Interesse von Image und Umwelt etwas höhere Kosten zu akzeptieren.

Potenzial: Eine Hamburger Innovation stößt auf weltweites Interesse

Die externe Energieversorgung von Kreuzfahrtschiffen während der Liegezeit steht auf der Agenda zahlreicher Häfen weltweit. Entlang der amerikanischen Westküste ist schon heute jedes Kreuzfahrtschiff dazu verpflichtet, während der Liegezeit im Hafen Landstrom zu nutzen. In Europa zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab.

Doch nicht jeder Hafen ist in der Lage, elektrische Energie in ausreichender Menge und zu darstellbaren Kosten bereitzustellen. Die LNG Hybrid Barge ist hier eine relativ kurzfristig realisierbare Lösung. Sie ist unabhängig von vorhandenen Netzstrukturen und gewährleistet eine sichere Energieversorgung mit sehr niedrigen Emissionen.

HPE Hybrid Port Energy steht derzeit im Gespräch mit mehreren anderen Häfen weit über Europa hinaus. Konkretes Interesse scheint Barcelona zu zeigen – der größte europäische Kreuzfahrt-Hafen überhaupt. Auch hier werden die Emissionen der zahlreichen Kreuzfahrtschiffe als ernsthaftes Problem angesehen.

Auf technischer Ebene arbeitet das Unternehmen bereits an der nächsten Generation der LNG Hybrid Barge. Das Stichwort dazu lautet TWOship Barge. Es beschreibt eine vergleichbare Lösung mit einer elektrischen Leistung von 24 MW, mit der sich zwei Kreuzfahrtschiffe parallel mit elektrischer Energie versorgen lassen.

LNG Hybrid Barge
in Numbers

20 %
weniger CO2-Emissionen
80 %
weniger Nox Emissionen
0
Schwefel-Emissionen
0
Feinstaub-Emissionen

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