Der öffentliche Personennahverkehr der Zukunft wird anders sein als heute. Völlig anders. Er wird intelligenter sein, bedarfsgerechter und umweltverträglicher. Die Elektromobilität wird dabei eine große Rolle spielen. Genauso wie autonom fahrende Busse schon in wenigen Jahren zum alltäglichen Straßenbild gehören werden.

Herausforderung: Auf dem Weg in die digitale Zukunft

Digitalisierung ist schon heute allgegenwärtig. Und sie wird auch dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) völlig neue Impulse geben. Doch die Weichen für die Zukunft müssen jetzt gestellt werden. Denn technische Entwicklungen brauchen ihre Zeit und die wachsende Verkehrsbelastung in den Ballungszentren verlangt dringend nach intelligenten Lösungen.

Dabei lässt sich die Mobilität der Zukunft nicht mit einer einzelnen Lösung sicherstellen. Gefragt ist vielmehr ein Verbund unterschiedlicher Verkehrsmittel. Und dabei nehmen auch autonom fahrende Busse eine bedeutende Rolle ein.

Lösung: Busse, die selbst ihren Weg finden

HEAT ist ein ehrgeiziges Vorhaben. Der Begriff steht für Hamburg Electric Autonomous Transportation und damit für ein bisher einmaliges Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Beteiligt sind insgesamt sechs Partner unter der Federführung der Hamburger Hochbahn AG. Darunter die Behörde für Wissenschaft, Verkehr und Innovation, Siemens und IAV, ein führender Engineering-Partner der Automobilindustrie. Hamburg sieht darin einen neuen Meilenstein für die Mobilität in einer Großstadt.

Zum 1. August 2019 ist der Probebetrieb im regulären Straßenverkehr auf einer Teststrecke von 1,8 Kilometern in der HafenCity gestartet. In der ersten Phase wird noch ein Fahrzeugbegleiter an Bord sein, bis zum ITS-Weltkongress 2021 soll dann stufenweise der autonome Betrieb nach SAE Level 4 erreicht werden. Das Leuchtturmprojekt ist deutschlandweit einmalig und soll prüfen, ob selbstständig fahrende Kleinbusse vollständig in den Straßenverkehr und den ÖPNV einer Metropole integriert werden können. Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium gefördert.

Für den Betriebsstart war eine Straßenzulassung für ein komplett neues Fahrzeug erforderlich, das ganz andere Komponenten als bisherige Fahrzeuge aufweist. Um seinen Weg auf der Teststrecke sicher zu fahren, kommuniziert der HEAT-Kleinbus laufend mit der auf der Strecke installierten Sensorik und der zentralen Hochbahn-Leitstelle. Zudem unterstützt eine intelligente Infrastruktur den HEAT-Bus mit einer zusätzlichen Informationsebene.

Insgesamt soll es bis zu drei solcher Shuttlebusse geben. Sie sind rund 5 m lang, 2 m breit, wiegen 4 Tonnen und können bis zu 10 Fahrgäste aufnehmen. Ihr Einsatzbereich wird eine Strecke im Bereich der Hamburger Hafencity sein, wo sie mit bis zu 50 km/h unterwegs sein sollen. Die Batterien werden bei Vattenfall in der Hafencity aufgeladen.
Die Aufgaben des Busfahrers werden durch eine komplexe Digitaltechnik wahrgenommen, die von der digitalen Bildverarbeitung bis hin zur Radar- und Lidartechnik reicht. Damit werden Verkehrsschilder genauso interpretiert, wie Fußgänger und der übrige Verkehrsfluss wahrgenommen wird. Diverse Sensoren am Straßenrand ergänzen das System, das von einer Leitstelle überwacht wird.

Potenzial: Eine Stadt völlig ohne private Fahrzeuge

Die Vision hinter HEAT ist weitreichend. Hochbahn-Chef Henrik Falk umreißt sie mit den Worten: „Autonomes Fahren bietet uns eine Perspektive, noch attraktivere Angebote zu schaffen. Gerade zu Tageszeiten oder für Gebiete, in denen konventionelle ÖPNV-Lösungen heute wirtschaftlich an ihre Grenzen stoßen und deshalb nicht attraktiv genug sind, um die Menschen zum Umsteigen vom privaten Pkw zu motivieren.“
Hamburg will die Rahmenbedingungen dieser Vision in diesem einmaligen Projekt erforschen. Die beteiligten Projektpartner wollen damit das Know-how für einen autonomen Shuttle-Verkehr schaffen, der beispielhaft für die Ballungszentren von Morgen sein kann.

Stand: September 2019

HEAT
in Numbers

6
Entwicklungspartner unter Führung der Hochbahn
3 Jahre
Entwicklungszeit bis Herbst 2021
3
autonome Elektrobusse
16
Fahrgäste je Bus (10 Sitz- und 6 Stehplätze)
3,6 km
Fahrtstrecke innerhalb der Hafencity

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