Sektorenkopplung ist das Stichwort, wenn es darum geht, nicht benötigte Windenergie zu nutzen. Ein Projekt aus Heide in der Metropolregion Hamburg demonstriert, dass Windenergie sogar zu Flugzeugbenzin werden kann. Ein Weg ist dabei die Produktion von Wasserstoff.

Herausforderung: Ungenutzte Windenergie sinnvoll nutzen

Die Produktion von Windenergie ist abhängig von den herrschenden Witterungsbedingungen. Dadurch ist es eine echte Herausforderung, Angebot und Nachfrage aufeinander abzustimmen. Sektorenkopplung ist eine Möglichkeit, um ungenutzte Windenergie in andere Energieträger umzusetzen und damit nutzbar zu machen.

Ein Weg ist dabei die Produktion von Wasserstoff. Er lässt sich nicht nur in das bestehende Gasnetz einspeisen, sondern kann auch zum Antrieb von Fahrzeugen genutzt werden. Er lässt sich aber auch zur Herstellung von Kraftstoffsubstituten einsetzen, die zum Beispiel das Kerosin zum Betrieb von Flugzeugen ersetzen können.

Lösung: Auf dem Weg zum grünen Kraftstoff

Die Raffinerie Heide in der Metropolregion Hamburg verfügt über eine Verarbeitungskapazität von 4,5 Mio Tonnen Rohöl pro Jahr und kann damit den gesamten Energiebedarf Schleswig-Holsteins decken. Im Rahmen des Projektes KEROSyN100 ist die Raffinerie direkt mit regionalen Forschungseinrichtungen wie der Fachhochschule Westküste sowie anderen Partnern aus Wirtschaft, Forschung und öffentlicher Verwaltung vernetzt.

Die Deutsche Lufthansa AG und die Raffinerie Heide in Hamburg haben eine Absichtserklärung zur künftigen Produktion und Abnahme synthetischen Kerosins unterzeichnet. Damit wird die Zielsetzung beider Unternehmen unterstrichen, in den Energieträger der Zukunft zu investieren. Zu den Kooperationspartnern zählt auch der Flughafen Hamburg.

KEROSyN100 ist Teil der technologischen Projekt-Initiative ENTREE100 der Entwicklungsagentur Region Heide. Die Agentur mit Sitz in Heide begleitet das Projekt als assoziierter Partner.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Herstellung von umweltfreundlichem, synthetischem Kerosin. Dieser sogenannte strombasierte Kraftstoff soll beispielsweise als Ersatz von Kerosin in der Luftfahrt zur Anwendung kommen.

Zur Herstellung eines derartigen Substituts zu herkömmlichen Mineralöl-basierten Kraftstoffen wird lediglich Wasser und Kohlenstoffdioxid benötigt. Diese Stoffe werden unter Einsatz von Strom in flüssige Kohlenwasserstoffe überführt.

Weiterhin wird im Projekt das Basic Engineering für eine maßgeschneiderte Demonstrationsanlage am Standort der Raffinerie Heide erarbeitet. Dabei spielt die Windenergieerzeugung im Umkreis der Raffinerie eine zentrale Rolle.

Das auf drei Jahre angelegte Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit 4,2 Millionen Euro gefördert.

Potenzial: Nutzung bisher ungenutzter Energie

Abhängig von der Kohlenstoffdioxid-Quelle und dem verwendeten Strom-Mix ermöglichen strombasierte Kraftstoffe eine deutliche Reduktion von sogenannten Treibhausgasen im Vergleich zur Nutzung konventioneller Kraftstoffe. Wird Strom aus erneuerbaren Energien eingesetzt und das benötigte Kohlenstoffdioxid der Atmosphäre entnommen, kann ein quasi-geschlossener CO2-Kreislauf herbeigeführt werden.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wird eine Nutzung der Windenergie-Kapazitäten angestrebt, die derzeit häufig durch die Abregelung der vorhandenen Windkraftanlagen verloren gehen.

Stand: September 2019

Grünes Kerosin
in Numbers

1.5
Gigawatt Energieproduktion an der Westküste
3
Jahre Projektlaufzeit
8
Projektpartner in ganz Deutschland

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