Online bestellen ist bequem. Doch nicht immer ist man zu Hause, wenn das Paket geliefert wird. Im Zeitalter der Digitalisierung gibt es jedoch auch dafür eine Lösung. Sie baut auf bestehenden Systemen auf und garantiert, dass jedes Paket beim Empfänger ankommt.

Herausforderung: Mehrere Zustellversuche kosten Zeit, Geld und Ressourcen

Die meisten Menschen gehen tagsüber einer Arbeit nach. Sie sind folglich nicht zu Hause und der Paketdienst klingelt vergebens, wenn er eine Sendung zustellen will. Manchmal sind mehrere Zustellversuche nötig. Oder der Kunde muss zur nächsten Filiale fahren, um das Paket dort abzuholen.

Das verteuert nicht nur die Paketzustellung. Es kostet auch unnötig Zeit und belastet die Umwelt. Nicht nur, weil der Zustelldienst eine Adresse mehrmals anfahren muss. Auch der Empfänger muss sich nach Feierabend durch den Verkehr quälen, parken und Schlange stehen, bis er sein Paket endlich in den Händen hält.

Lösung: Der Zusteller kommt ins Haus und das Paket wird sicher deponiert

Julian Wulf stand schon während seines Studiums an der Universität Hamburg vor diesem Problem. Er bestellte eigentlich gerne beim Versandhandel. Doch er hatte sehr unübliche Arbeitszeiten und jedes Paket war eine kleine Herausforderung.

Da Wulf im Fachbereich Logistik und Transport promovierte lag es nahe, über diese unbefriedigende Situation nachzudenken. Also ­tat er sich mit Felix Ueckermann zusammen. Beide gründeten ein Unternehmen und entwickelten eine Lösung, die sie „come in and drop off” oder kurz CIDO nannten.

Die Lösung ist vorwiegend für Mehrfamilienhäuser gedacht und besteht aus Hardware und Software. In die Hausklingelanlage wird ein Zusatzmodul eingebaut, das aus einem Scanner, einer elektronischen Schaltung und der erforderlichen Software besteht.

Mit dem Scanner kann der Zusteller den Barcode auf dem Paket abscannen, der dann über Mobilfunk in die CIDO-Cloud übertragen wird. Der CIDO-Server überprüft dann auf Grundlage der Sendungsinformationen, ob eine Zutrittsberechtigung vorliegt oder nicht. Da die Abfrage live im Moment der Zustellung stattfindet, müssen Sendungen vorher auch nicht angekündigt werden. Passt alles zusammen, wird der Türöffner ausgelöst und der Zusteller kann ins Haus.

Im geschützten Bereich innerhalb des Gebäudes wird die Sendung entweder gemäß einer Abstellgenehmigung hinterlegt, oder in einer Ablagebox deponiert. Dort kann sie der Empfänger entnehmen, wenn er nach Hause kommt. Ohne Zeitverlust durch mehrere Zustellversuche und ohne sie irgendwo selbst abholen zu müssen.

Im Gegensatz zu anderen Lösungen setzt CIDO ganz bewusst auf vorhandene Infrastrukturen auf und integriert sich in bereits bestehende Prozesse. Ist die Investition für die Hardware erst einmal getätigt, kann sich jeder Bewohner des Hauses beim System anmelden und ist künftig sicher, dass jedes Paket ohne lästige Umstände bei ihm ankommt.

Potenzial: Gezielte Zugangsberechtigung für jeden, der ins Haus muss

CIDO ist ein Projekt der Uniberry GmbH in Hamburg. Das Startup wurde 2017 von Dr.Julian Wulf und Felix Ueckermann gegründet und ging aus einem EXIST-geförderten Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hervor. Darüber wurde CIDO im Rahmen des InnoRampUp-Förderprogramms der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) gefördert.

Die Entwicklung von CIDO ist mittlerweile abgeschlossen. Das Projekt befindet sich seit 2018 in einer geschlossenen Betaphase. Für einen ersten Feldversuch unter Alltagsbedingungen wurde dafür eine komplette Kleinserie produziert, die in verschiedenen Hamburger Stadtteilen im Einsatz ist. Zu den Projektpartnern zählen die führenden deutsche Zustelldienste, die sich vor allem im Privatkundengeschäft bewegen. Nach Aufbau einer Vertriebsstruktur soll das Projekt 2019 bundesweit eingeführt werden.

Der nächste Schritt soll die Erschließung weiterer Anwendungen für CIDO sein, die über das Thema Paketzustellung hinausgehen. So eignet sich das System zum Beispiel auch, um Handwerkern den kontrollierten Zutritt zu einem Gebäude zu ermöglichen. Auch hier ist ein entscheidender Vorteil von CIDO, dass das System auf bereits vorhandenen Infrastrukturen aufsetzt und damit ohne Einstiegshürden angewendet werden kann.

CIDO
in Numbers

20
Geräte in der Pilotphase in Hamburg
4
führende Logistikunternehmen
1,5 Millionen
Mehrfamilienhäuser in Deutschland im Fokus

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