Vor allem für Reisende in der Economy Class ist das Schlafen an Bord eines Flugzeugs alles andere als bequem. Ein gemeinsames Projekt von Airbus und Safran Cabin will Abhilfe schaffen. Dafür gab es den Crystal Cabin Award 2019 in der Kategorie Kabinenkonzepte.

Herausforderung: Ungenutzter Raum für mehr Komfort

Je nach Zielort werden in der Regel nur 50 bis 60 % des Laderaums eines Passagierflugzeugs zum Transport von Gepäck und Luftfracht genutzt. Der Rest ist einfach leerer Raum.

Einige Fluggesellschaften haben über dieses Problem nachgedacht und sich schließlich an Airbus gewandt, um Ideen zur Verwendung dieses ungenutzten Raums zu entwickeln, um den Passagieren zusätzlichen Komfort und Bequemlichkeit zu bieten. Im Jahr 2018 entwickelte Airbus gemeinsam mit dem Spezialisten für Flugzeug-Innenausstattungen Safran Cabin eine Lösung, mit der Fluggesellschaften durch innovative Raumkonzepte zusätzliche Einnahmen erzielen können.

Insbesondere der Airbus A 330 ist bereits mit einer Zugangsmöglichkeit zum Unterdeck des Flugzeugs ausgestattet, wo sich derzeit lediglich Schlafgelegenheiten für die Besatzung befinden.

Lösung: Mehrwert für Airlines und Passagiere

Das Engineering-Team des Projekts Lower Deck Module von Airbus hat seinen Sitz in Hamburg. Anfang 2018 begann das Team mit ersten Entwürfen, in denen Ideen für eine intelligente Nutzung des Unterdecks skizziert wurden. Die Idee war, den teilweise ungenutzten Laderaum bestimmter Flugzeugmodelle zu nutzen, um den Fluggesellschaften neue Geschäftsmöglichkeiten und den Passagieren vor allem auf Interkontinentalflügen einen Mehrwert zu bieten. Ende 2018 wurde ein erstes Modell eines Moduls für den Laderaum gebaut. In den darauffolgenden Monaten wurden dann Konstruktions- und Evakuierungstests mit Passagieren durchgeführt.

Auf der Aircraft Interiors Expo 2019 in Hamburg fand eine Präsentation für die Flugzeugindustrie statt. Das Konzept stieß sofort auf Interesse als innovative Lösung, um den Flugverkehr noch komfortabler zu gestalten. Als Ergebnis wurden Airbus und Safran Cabin mit dem Crystal Cabin Award 2019 in der Kategorie Kabinenkonzepte ausgezeichnet.

Der zusätzliche Fahrgastraum im Unterdeck wird in Form von flexiblen Modulen realisiert, die für eine einfache Installation und Demontage ausgelegt sind. Das Konzept wurde erstmals für den Airbus A330 umgesetzt, da dieses Flugzeug bereits mit einem Unterdeck-Schlafraum für die Besatzung ausgestattet war und somit einen Zugang zu diesem Bereich bot.

Jedes Modul bietet eine Grundfläche von 10 Quadratmetern, die die Installation von bis zu 8 Betten ermöglicht. Insgesamt 4 Module können verwendet werden, was einen zusätzlichen Raum von bis zu 40 Quadratmetern für 32 Betten ergibt. Die Module ruhen auf Standardschienen, mit denen das Flugzeug bereits ausgestattet ist, und können je nach Anforderung jederzeit entfernt werden.

Zielgruppe eines solchen zusätzlichen On-Board-Angebots sind beispielsweise Eltern, die auf Langstreckenflügen eine komfortable Schlafgelegenheit für sich und ihre Kinder wünschen. Generell ist das Angebot ideal für alle, die ausgeruht und bereit für die geplante Aktivität ihr Ziel erreichen möchten.

Potenzial: Während des Flugs schlafen und arbeiten

Konzept, Design und Konstruktion der Lower Deck-Module sind nun abgeschlossen und können von potenziellen Kunden in den Airbus-Werken in Toulouse begutachtet werden. Das Unternehmen hat die Lösung mittlerweile in sein Angebot aufgenommen.

Sobald der erste Kunde beschließt, derartige Module in bestehende oder neue A330-Flugzeuge einzubauen, plant Airbus, die erforderlichen Genehmigungsverfahren einzuleiten. Etwa 24 Monate nach einer solchen Erstbestellung steht diese neue Ausstattung dann den Passagieren zur Verfügung.

Je nach Kundenwunsch plant Airbus, auch Unterdeckmodule für den Airbus A350 anzubieten. Alternative Optionen für solche Module sind die Verwendung als Besprechungsräume für Konferenzen, als Büroräume oder als komfortabler Bereich für das Entertainment an Bord.

Stand: Oktober 2019

Airplane Lower Deck Modules
in Numbers

2
Airbus-Modelle bereit zur Ausstattung
4
Module lassen sich kombinieren
10
Quadratmeter pro Modul
8
Schlafplätze pro Modul

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