Kollisionen zwischen Radfahrern und LKWs enden meist tragisch für den Radfahrer. Abbiegeassistenzsysteme erkennen Objekte im toten Winkel und warnen den Fahrer vor möglichen Gefahrensituationen. Doch es gibt entscheidende Unterschiede.

Zuverlässige Erkennung ohne Fehlalarm

Abbiegeassistenzsysteme sollen Radfahrer und Fußgänger erkennen, die sich in unmittelbarer Nähe eines rechts abbiegenden LKWs befinden. In der Praxis befinden sich diese oft im toten Winkel und sind daher im Rückspiegel des Fahrzeugs nicht zu sehen.

Systeme auf der Basis von Ultraschall erkennen zwar Objekte im kritischen Bereich, können aber nicht zwischen statischen und bewegten Objekten unterscheiden. Oft kommt es daher zu Fehlalarm, nur weil ein Verkehrsschild am Wegesrand steht. Besser sind Radarsysteme, aber auch diese haben deutliche Schwächen.

Ein wirkliches Sicherheitsplus würde eine Lösung bieten, die einen sich in den Gefahrenbereich hinein bewegenden Radfahrer mit hoher Sicherheit von anderen Objekten unterscheiden kann und Fehlalarme so gut wie ausschließt.

Kamerasystem mit Software-Intelligenz

Die Hamburger LUIS Technology GmbH ist seit 1999 ein namhafter Anbieter von Kamera-Monitor- und elektronischen Assistenzsystemen für Nutzfahrzeuge. 2015 wurde das Unternehmen von Dr. Matthias Feistel, Martin Groschke und Dr. Moritz Kübel übernommen.

Die drei ehemaligen Unternehmensberater kannten sich bereits aus gemeinsamen Projekten im Bereich Unternehmensstrategie und Unternehmensentwicklung. LUIS wurde Ende 2015 mit dem Ziel übernommen, aus einem kleinen Unternehmen etwas Größeres entstehen zu lassen. Seit dem wurde kräftig in Personal, neue Produkte und die Struktur des Unternehmens investiert.

Ein bedeutendes Projekt war die Entwicklung eines neuartigen Abbiegeassistenzsystems für LKWs, das im September 2018 auf der IAA Nutzfahrzeuge vorgestellt wurde. Das System wurde rechtlich geschützt, entspricht den Anforderungen der BMVI-Empfehlung und ist das erste System seiner Art mit einer Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE).

Das Projekt wurde mit einem Kredit der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) unterstützt. Dazu kamen Beteiligungen und Förderkredite der Beteiligungsgesellschaft Hamburg (BTG).

Vor Entwicklung des Systems stand eine umfangreiche Fahrerbefragung, um wichtige Erkenntnisse aus der Praxis zu gewinnen. Ein wesentlicher Kritikpunkt an vorhandenen Abbiegeassistenzsystemen waren dabei häufige Fehlalarme, die dazu führten, dass das System irgendwann ignoriert oder sogar deaktiviert wurde.

Das LUIS System setzt daher nicht auf herkömmliche Ultraschalltechnik, sondern auf Videotechnik in Verbindung mit Echtzeit-Bildauswertung. Es wird automatisch aktiviert und überwacht den Gefahrenbereich rechts neben dem Fahrzeug, sobald durch Aktivieren des Blinkers oder Einschlagen des Lenkrads ein Abbiegevorgang erkannt wird.

70 % aller tödlichen Unfälle bei der Kollision von Radfahrern mit LKWs geschehen dann, wenn der Radweg hinter einer Reihe parkender Autos liegt. Um auch teilweise verdeckte Radfahrer erfassen zu können, wird daher beim LUIS System die Kamera in 2,2 bis 4 m Höhe am Fahrzeug montiert und erfasst einen 6 bis 7 m breiten Bereich rechts vom Fahrzeug. Außerdem kann das System zuverlässig zwischen feststehenden Objekten und einem sich bewegenden Radfahrer unterscheiden und daher mit hoher Zuverlässigkeit eine mögliche Gefahrensituation erkennen.

Das System wurde mit dem Ziel entwickelt, den Fahrer so wenig wie möglich abzulenken und Fehlalarme zu begrenzen. Es reagiert nicht einfach auf Objekte in Fahrzeugnähe, sondern analysiert das Videosignal der Kamera, um Gefahrensituationen zu erkennen. Je nach Gefahrensituation wird dann entweder ein optisches oder zusätzlich ein akustisches Signal ausgelöst.

Von der Empfehlung zur europäischen Vorschrift

Zurzeit sind Abbiegeassistenzsysteme lediglich eine Empfehlung des Bundesverkehrsministeriums, deren Installation finanziell gefördert wird. Doch bereits 2022 wird sich die Situation ändern.

2022 wird eine neue Regelung der Europäischen Union in Kraft treten, nach der alle neuen LKW-Typen mit einem Abbiegeassistenzsystem ausgestattet sein müssen. Ab 2024 ist diese Ausstattung dann für jedes neu zugelassene Fahrzeug erforderlich.

Stand: August 2019

Abbiegeassistent
in Numbers

283
tödliche Unfälle mit Fahrrädern in Deutschland (2017)
80%
aller Kollisionen mit LKWs durch LKW-Fahrfehler
70%
aller Situationen werden von bisherigen Abbiegeassistenzsystemen nicht erkannt

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