Alstom: Weltweit erste Wasserstofftankstelle für Passagierzüge

Wasserstofftankstelle für Regionalzüge entsteht in Bremervörde
Der französische Konzern Alstom ist der weltweit erste Schienenfahrzeughersteller, der einen CO2-emissionsfreien und mit Wasserstoff-Brennzellen angetriebenen Regionalzug entwickelt und in Norddeutschland in Betrieb genommen hat. In Bremervörde in der Metropolregion Hamburg entsteht dafür jetzt eine Wasserstofftankstelle.
Der Plan
Auf dem Weg zu einer sauberen, zukunftsorientierten Mobilität: Der Coradia iLint von Alstom wird mit Wasserstoff betrieben und ist damit eine echte Alternative im Regionalverkehr. Um den Zug weiträumiger einsetzen zu können, wird jetzt einer der weltweit größten Wasserstoff-Tankstellen in der Metropolregion Hamburg gebaut.
Die Umsetzung
2016 präsentierte Alstom erstmalig den Wasserstoffzug Coradia iLint. Nur zwei Jahre später nahm der iLint den Fahrgastbetrieb in Deutschland auf und wird zwischen Stade und Cuxhaven eingesetzt. Im Herbst 2021 beginnen die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (evb) den Regelbetrieb mit 14 Zügen in Niedersachsen.
Gezielt für den Einsatz auf nichtelektrifizierten Strecken entwickelt, ermöglicht der Coradia iLint einen sauberen, nachhaltigen Betrieb bei hoher Leistung. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h und einer Reichweite von rund 1.000 km ist er flexibel und umweltfreundlich auf kürzeren Strecken einsetzbar. Dank der Brennstoffzellen-Technologie gibt er lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab. Die Kombination verschiedener innovativer Ansätze sorgt für saubere Energieumwandlung, flexible Energiespeicherung in Batterien sowie smartes Management von Antriebskraft und verfügbarer Energie. Darüber hinaus ist der Zug geräuscharm und reduziert damit die Lärmbelästigung gerade für Anwohner an Bahnstrecken beträchtlich.
Um die geplanten 14 Züge zuverlässig betanken zu können, entsteht seit Herbst 2020 im niedersächsischen Bremervörde die weltweit erste Wasserstofftankstelle für Passagierzüge. Sie ersetzt die bisherige mobile Betankungslösung. Nach einer achtzehnmonatigen Testphase für die ersten beiden Züge wird die Tankstelle im Herbst 2021 in Betrieb genommen. Mit einer Kapazität von rund 1.600 kg Wasserstoff pro Tag handelt es sich dabei um eine der größten Wasserstofftankstellen der Welt. Zur Sicherung der Versorgung lagern hier 1.800 kg Wasserstoff in 64 Konstantdruckspeichern. Zum Vergleich: 1 Kilogramm Wasserstoff ersetzt rund 4,5 Liter Diesel. Die Regionalzüge werden hier täglich und falls nötig rund um die Uhr betankt. Im Regelfall können die Züge allerdings mit nur einer Tankfüllung den ganzen Tag lang fahren.
Betrieben wird die Tankstelle vom Gashersteller Linde im Auftrag der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Weitere Projektpartner sind der Schienenfahrzeugbauer Alstom und das Land Niedersachsen. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) gefördert.
Großes Potenzial
Der flächendeckende Einsatz der mit Wasserstoff betriebenen Regionalzüge trägt erheblich zur Dekarbonisierung bei. Mittelfristig sollen an der Tankstelle zur Verfügung stehende Erweiterungsflächen außerdem dazu genutzt werden, mittels Elektrolyse und regenerativ erzeugtem Strom vor Ort grünen Wasserstoff herzustellen.
Stand: September 2021